Roman Stern Nichtclub Maxim

30 Jahre Nightclub Maxim Wien – Roman Stern im Interview

Intimcity Boulevard war heute bei Roman Stern, Manager des Nightclub Maxim Wien, zu Gast. 30 Jahre gibt es das Maxim nun schon in Wien und vieles hat sich in den letzten Jahren geändert. Roman Stern gibt uns zu den interessantes Fragen oft überraschende Antworten.

Intimcity: Wie weit hat sich das Geschäft verändert?

Das Geschäft „ROTLICHT“ ist einem enormen Wandel unterlegen, wobei die gröbsten Veränderungen in den letzten 10-15 Jahren zu sehen waren.

Intimcity: Gogolokale oder Bordell?

Anfang der Jahrrausendwende war es die Bewegung der GOGO-Lokale, die den Markt begannen zu dominieren. Damals gab es einen regelrechten Boom und aufgrund der rechtlichen VISA-Situation durften nur „Künstlerinnen“ – quasi Schlüsselkräfte aus Osteuropa dieser Arbeit nachgehen. Deswegen waren die schönsten Damen in den Striplokalen (Beverly Hills, Big Apple und nicht zuletzt das Maxim, an dem Standort damals als VIAGRA bekannt) zu finden. Mit Beitritt der RO, HU und BG-Damen hat sich das wieder gedreht und nun kann man ganz sorgenfrei wieder Bordelle betreiben und muß sich keine Sorgen machen, gegen bestehende Ausländergesetze zu verstossen. Im Übrigen ist die Legalisierung der Prostitution, die mit dem Prostitutionsgesetz von 2011 abgeschlossen wurde, ein echter Segen für uns gewesen. Andere würden sie vielleicht als Fluch bezeichnen…

Desweiteren muss man die Veränderung in der Preisstruktur ansprechen:

Intimcity: Wie haben sich die Preise verändert?

Eigentlich sollte ein Bordellbesuch Luxus sein, Die aktuelle Situation ist aber eine ganz Andere. Die Geiz ist geil Mentatlität hat auch die Sexbranche erreicht und die Abwärtsspirale, in der sich viele Lokale befinden, lässt sich oft nicht mehr aufhalten. Für mich ist FAKT, dass sich eine Sexdienstleistung nicht immer billiger und billiger verkaufen lassen darf. Das PRODUKT ist schließlich keine Sache, sondern eine Person, die teilweise bereits mit 18 Jahren gezwungen wird, diesem Beruf nachzugehen. Ist sie gezwungen, sich schon so jung tabulos hinzugeben fürs kleine Geld, ist der Absturz vorprogrammiert. Das ist ein schwieriges Thema und der Kunde möchte viel haben und wenig zahlen. Verständlich … aber so, wie es sich aktuell in Wien entwickelt, nicht in Ordnung.

Intimcity: Müssen Sexworkerinnen zu viele Sexpraktiken anbieten?

Nicht nur müssen sich die Mädchen um teilweise bereits 30€ für 15 Minuten Sex hergeben, sie sollen auch noch Sex ohne Gummi, Anal, Schlucken und alles Mögliche anbieten. Das ist im Grunde genommen in einer würdigen Tätigkeit nicht zu vereinbaren. Im hochpreisigen Sektor haben die Betreiber Schwierigkeiten, noch Gäste zu finden. Diese Entwicklung ist als Ganzes absurd und konträr dazu, was einen Bordellbesuch traditionell ausgemacht hat. Manchmal erscheint es mir, als möchte jeder Gast Rocco Sifredi sein und seine Pornofantasien im Studio nebenan ausleben. Man höre und Staune… für 50-60€ kein Problem… aber auf dem Rücken der Würde der Sexarbeiterin

Intimcity: Bordell, Puff – Nightclub – was für „Systeme“ gibt es?

Früher war Bordell oder Puff gleichzusetzen mit Nightclubs wie Maxim, Babylon etc

Heutzutage gibt es neue Systeme wie Laufhaus (gab es auch früher aber waren selten) FKK Saunaclub, die durch attraktive leistbare Angebote den Markt erweitert haben. Das ist an sich ein positiver Aspekt des Wandels, den ich durchaus begrüsse.

Intimcity: Ist eine Sexworkerin jetzt selbstständig?

Wie wir alle wissen, kann man die Damen nicht anstellen und bei der WKGG melden. Sie sind selbstständig und haben für Ihre Versicherung und steuerlichen Angelegenheiten selbst zu sorgen. Logisch eigentlich… in der Praxis eine Hürde für viele Damen, die so unüberwindbar, wie die Chinesische Mauer erscheint.

Es gibt natürlich noch weitere Änderungen aber das sind die Ausschlaggebenden, die mir ad hoc einfallen

Intimcity: Das Milieu ist mit Klischees behaftet, gibt es nach wie vor Strukturen? Probleme wie Menschenhandel und Zwangsprostitution?

Ja, Ja und Ja 🙂

Die Klischees wird man aus den Köpfen der Leute nicht rausbekommen. Ich habe, was das angeht, bereits aufgegeben. Strukturen gibt es aber das ist normal, da jede Firma und Einzelbrieb auch eine gewisse Struktur haben muss, um existieren und wirtschaften zu können. Menschenhandel und Zwangsprostition gibt es, der Ausgang findet aber in der Heimat der Sexarbeiterin statt. Örtlich mit Sicherheit teilweise auch noch bei uns aber den typischen Wiener Zuhälter muss man mit der Lupe suchen… gibt es nicht mehr oder kaum. Ich traue mich zu sagen, hierzulande sind hauptsächlich Geschäftsmänner am Werke. Das Thema ist jedoch so komplex, dass man Bücher darüber schreiben könnte´.

Intimcity: Lebt das Maxim von der AURA des Verbotenen?

Ich würde sagen NEIN. Wir sind sehr bemüht Transparenz und Sichtbarkeit zu schaffen. Sichtbarkeit, um Brand Awareness zu schaffen und Maxim als Marke wieder in die Köpfe der Leute zu bringen. Transparenz, um den Leuten auch etwas Einblick zu gewähren. Verboten ist im Falle des Maxim eigentlich nichts mehr. Das klingt jetzt vielleicht langweilig, ist aber sinnvoll, wenn man als Unternehmer ruhig schlafen möchte.

Intimcity: Ist die Akzeptanz in den letzten Jahren rückläufig?

Vermutlich ein normaler Lauf der Dinge und nur eine Phase bzw Momentaufnahme. Bordelle muss es ja geben, ansonsten zwingt man die Mädchen wieder in die illegale Prostitution. Du kannst nicht Länder wie Rumänien und Bulgarien hernehmen und sagen: der einzige Ausweg für einen bestimmten Teil der weiblichen Bevölkerung ist zwar die Prostitution aber wehe Dir, wenn wir Dich erwischen…. geht nicht und sollte man eher vor der eigenen Türe kehren.

Die Clubs, die reihenweise zusperren, tun dies allerdings nicht aufgrund fehlender Akzeptanz, sondern da fehlt es an anderen Dingen….

Intimcity: Wie weit belasten so ein Job das Familienleben?

Kling komisch ist aber so: ein Job, wie jeder andere auch.
Ich kann leider auch aus eigener Erfahrung sagen, meine Ehe ist gescheitert, als ich vor nicht allzu langer Zeit einem bürgerlichen Job nachgegangen bin. Zu lange Arbeitszeiten schaden jeder Beziehung. Um die Frage konkreter zu beantworten: Eine Beziehung hat im Moment bei mir keinen Platz und keine Chance. Das wäre gegenüber dem Partner und Kindern nicht fair.

Intimcity: Zuwachs rumänischer Sexworker?

Die Entwicklung ist logisch, wenn man sich die rumänischen Mädchen genauer ansieht und sie kennenlernt. Diese besitzen verschiedene Qualitäten und damit meine ich nicht nur die Optik, die sie prädestinieren, in diesem Job Erfolg zu haben. Ich weiss selber, dass der routinierte Wiener Gast noch den „guten alten Zeiten“ nachweint, in denen es noch sehr viele Russinnen (generell Ex UdSSR) Tschechinnen, Slowakinnen, Ungarinnen und Polinnen in den Bordellen gab. Kurz und knapp: der Standort Österreich ist für sehr viele Damen dieser Länder nicht mehr attraktiv genug. Wieder ein sehr schwieriges Thema, welches Bücher füllen könnte.

Intimcity: Wo ist der Markt in 30 Jahren?

Ich sag zwar zu meinen Mitarbeitern manchmal im Scherz, ich könne in die Zukunft sehen aber in dem Fall kann ich es leider nicht. Ich würde es begrüssen, wenn wieder mehr das Hirn eingesetzt werden würde. Von den Damen, der Gesetzgebung und auch im Speziellen auch von den Gästen. Ich finde im Besonderen sollte man Österreich als Standort eine Chance geben und somit muss man für die Sexworkerinnen tolle Arbeitsbedingungen mit sehr gutem Verdienst ermöglichen. Wie so oft muss das, was heute komplex ist, vereinfacht werden. Ich wünsche mir also eine transparente und leicht verständliche und umsetzbare Gesetzgebung. Des weiteren Wünsche ich mir von den Gästen ein anderes Mindset. Etwas mehr Dankbarkeit ggü den Sexworkerinnen. Es ist nicht richtig, für wenig Geld, GFS (Girlfriendsex) zu erwarten bzw zu fordern.

Realistisch gesehen, werden in 30 Jahren vermutlich sehr viel weniger Lokale bestehen und vermutlich werden Franchise-Systeme – eventuell auch ausländische Konzepte – die Kurve kriegen und die heimischen Anbieter, die nicht nachkommen, weil sie den Wandel nicht erkannt haben, werden zu einem gewissen Teil in den Ruhestand gehen. Aber das ist alles Spekulation und das mag ich gar nicht. Unterm Strich hängt es von der Politik ab, wie sie mit dem Thema Prostitution verfahren wird.

Intimcity: Sexworker Day?

Ich gestehe: wusste gar nicht, dass es den gibt 🙂

Die nächste Party wird dann aber im Juni oder Juli stattfinden.

Intimcity: Wie helfen Internetportale?

Natürlich helfen Internetportale wie Intimcity den selbstständigen Damen. Allerdings übernehmen in Österreich sehr oft die Lokale, Clubs und Studios das Marketing der Sexworkerinnen. Das ist aber mMn normal, da viele Anbieterinnnen alleine nicht klar kommen würden. Werbung für ein Lokal wie das Maxim ist ein Fulltime-Job und die Damen hätten niemals die Zeit, um neben ihrer Arbeit, auch noch ordentliche Werbung machen zu können.
50% an zwielichtige Manager abzugeben…? Dafür gibt es andere Gründe….

http://maxim-wien.com/

 

2 Comments

  • Ziggy

    Wahre Worte von jemandem der es wissen muss,
    Mann sollte das Überangebot reduzieren, und Hygiene Richtlinien vorgeben , was sich teilweise in Wien in diversen Studios abspielt ist Unmenschlichkeit

    • 08:27 - 2016-05-04

  • Peter

    Gute Ansätze… der Herr Stern weiß wohl von was er spricht. So eine Sexdienstleistung sollte einem auch was wert sein.

    • 15:59 - 2016-05-04